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Auch Heldinnen dürfen Angst haben – Was eine Diagnose mit deinem Nervensystem macht – und was dir dann guttun kann

1. Okt.
6 Min. Lesezeit

Du sitzt im Diagnosegespräch und hörst nach dem Wort „Befund“ vielleicht noch zwanzig Prozent.

Was dann hängen bleibt, ist oft nur eine einzige Zahl. Eine Prozentangabe, eine Einschätzung, die jemand in aller Sachlichkeit zum Thema ausgesprochen hat und die sich anfühlt wie ein Urteil.

Danach geht keine Frau aus diesem Gespräch und denkt: Mein Nervensystem ist so schön ruhig, jetzt erzähle ich das in aller Gelassenheit meinem Mann und meinen Kindern.


Erstarren und Rasen


Angst lähmt das Nervensystem. Das ist keine Schwäche, das ist Biologie. Dein System schaltet auf Bedrohung, und in diesem Zustand wird es eng: flacher Atem, enges Denken, enger Blick.

Und dann passiert im nächsten Schritt oft das, was ich bei so vielen Frauen sehe: Angst lähmt nicht nur. Angst macht auch hyperaktiv. Du fängst an zu optimieren. Du recherchierst nachts um drei Studien, deren Abkürzungen du vor vier Wochen noch nicht kanntest. Du stellst die Ernährung um und dann vielleicht noch einmal und noch einmal, je nachdem, welchem Kanal du bei Social Media gerade folgst. Du liest Foren. Du willst alles richtig machen, gleichzeitig und sofort.


Beides ist eine natürliche Stressantwort. Erstarren und Rasen. Die eine Frau kommt nicht mehr aus dem Bett, die andere kommt nicht mehr zur Ruhe – und keine von beiden hört in diesem Zustand noch, was ihr Körper eigentlich sagt.

Dabei wäre genau das jetzt dran. Dem Körper wieder zuzuhören. Dem, der gerade behandelt wird. Der müde ist. Der Angst hat. Der sich fremd anfühlt.


Und damit auch die Zahl aus dem Gespräch dort zu lassen, wo sie hingehört. Sie beschreibt nämlich tausend Frauen mit ähnlichem Befund – nicht die eine, die gerade im Sprechzimmer sitzt. Statistik beschreibt Gruppen, nicht Schicksale. Lass sie nicht zu deinem Namen werden, während du deinen Weg gehst.


Was daneben noch Platz hat


Es gibt die Medizin. Operation, Bestrahlung, Chemotherapie, Antihormontherapie. Das ist der Weg, auf dem Brustkrebs behandelt wird, und er gehört in die Hände von Menschen, die dafür ausgebildet sind.

Und daneben gibt es einen Raum. Der ist größer, als die meisten denken, und er ist nicht leer.


Er hat sogar einen Namen: integrative Onkologie. Internationale Fachgesellschaften empfehlen seit 2023 Achtsamkeit, Yoga, Entspannung und Musiktherapie bei Angst und Niedergeschlagenheit während und nach einer Krebsbehandlung, und auch in Deutschland gibt es dazu eine eigene Leitlinie. Das, was dein Nervensystem beruhigt, ist also kein esoterisches Extra. Es steht in denselben Leitlinien. Nur an anderer Stelle, für einen anderen Zweck.


Und in Koblenz musst du dir diesen Raum nicht allein zusammensuchen. „Koblenz wird pink“ ist ein Netzwerk, das Menschen mit Brustkrebs und ihre Angehörigen das ganze Jahr über mit allen verbindet, die helfen können – Brustzentren, Beratungsstellen, Selbsthilfe, Bewegungsangebote. Aufgebaut von zwei Frauen, über die ich in diesem Artikel ausführlicher geschrieben habe.


Und wenn du nicht in Koblenz wohnst: Wahrscheinlich gibt es auch bei dir Frauen, die etwas aufgebaut haben – du weißt es nur noch nicht. Ambulante psychosoziale Krebsberatungsstellen gibt es inzwischen bundesweit, und sie beraten nicht nur Erkrankte, sondern ausdrücklich auch Angehörige, kostenfrei und auf Wunsch anonym.


Wo die nächste ist, erfährst du mit einem Anruf:


beim Krebsinformationsdienst des DKFZ unter 0800 420 30 40, täglich von 8 bis 20 Uhr, oder beim INFONETZ KREBS der Deutschen Krebshilfe unter 0800 80 70 88 77, montags bis freitags von 8 bis 17 Uhr.


Beide Nummern sind kostenlos, und beide vermitteln dir Stellen in deiner Nähe. Dort kennt man auch die Selbsthilfegruppen, die Bewegungsangebote und die Menschen vor Ort.


Und weil jedes zertifizierte Brustzentrum ein psychoonkologisches Beratungsangebot vorhalten muss, hast du auch dort einen Anspruch, von dem viele nichts wissen. Und wenn dir jemand begegnet, der so ein Netz gerade selbst spinnt – erzähl davon. Sichtbarkeit ist die halbe Arbeit.


Drei Dinge, mit denen du sofort starten kannst, mit oder ohne Unterstützung:


Der Atem. Ein langer Ausatem ist das schnellste Signal an dein System, dass es gerade nicht um Leben und Tod geht – auch wenn dein Kopf natürlich etwas anderes sagt. Vor dem Betreten der Praxis. Vor dem Anruf. Vor dem Gespräch mit deinem Kind.


Die Bewegung. In deinem Tempo. Nicht als Leistung, nicht als Beweis. Ob Spazierengehen, sanftes Krafttraining oder im Drachenboot paddeln wie die Pink Paddler in Koblenz – Bewegung gehört zu dem, was bei Erschöpfung und Lebensqualität am besten belegt ist. Und die Frauen im Boot wissen das längst mit dem Körper, nicht aus einer Studie.


Das Zuhören. Und das ist der unbequemste Punkt: nichts tun. Nicht dauerhaft recherchieren. Nicht schon fast fanatisch optimieren. Zehn Minuten liegen und spüren, wo der Körper gerade ist. Für eine Frau im Alarmzustand ist das die schwerste Übung von allen und gleichzeitig eine der wichtigsten.


Wenn du Kinder hast


Und dieser Zustand, in dem du bist, bleibt nicht bei dir.

Kinder spüren es. Immer. Bevor ein Wort fällt.

Die häufigste Reaktion von Eltern ist, zu schweigen – aus Schutz. Das Problem: Kinder füllen die Lücke. Mit Vermutungen, die fast immer schlimmer sind als die Wahrheit – und oft mit Schuld verbunden.


Die Grundlinie aus der Psychoonkologie ist ziemlich eindeutig: die Krankheit beim Namen nennen, altersgerecht die Wahrheit sagen, klarstellen, dass sie nicht ansteckend ist und nicht die Schuld des Kindes, benennen, wer sich kümmert, und Fragen zulassen – auch die, auf die du keine Antwort hast.


Und niemand muss da allein durch.

Die Krebsgesellschaft Rheinland-Pfalz z. B. hat in der Löhrstraße in Koblenz eine Beratungsstelle, die nicht nur Betroffene berät, sondern auch Partner, Familie und Freunde – kostenfrei und vertraulich.


Mit dem Familienprojekt „Mama/Papa hat Krebs“ begleitet sie Eltern im Umgang mit ihren Kindern und gibt Kindern und Jugendlichen einen eigenen Raum für ihre Fragen und Gefühle. Auch sie gehört zum Netzwerk von „Koblenz wird pink“.


Und genau hier fängt auch meine Arbeit an. Nicht mit dem Gesprächsinhalt selbst – sondern in der halben Stunde davor. Denn was bei deinem Kind ankommt, entscheidet sich nicht an deinen Sätzen, sondern an dem Zustand, aus dem heraus du sie sagst. Eine Mutter, die zittert und „Alles wird gut“ sagt, erzeugt mehr Angst als eine Mutter, die ruhig sagt: „Ich bin krank. Ich habe Angst. Und wir kriegen das zusammen hin.“


Und jetzt?

Ich bin Anja Paul – Mentorin und Coach für sensible Mädchen, Frauen und Mütter. Ich arbeite mit dem Nervensystem, mit Zyklus und Körperbewusstsein, und ich bin Mama von zwei Töchtern.

Ich bin keine Onkologin und ich behandle keinen Krebs. Was ich kann: einen Raum halten, in dem du wieder atmest. In dem Angst sein darf, ohne dich zu steuern oder dich zu lähmen. In dem dein Körper von einem Gegner wieder zu etwas wird, das auf deiner Seite steht.


Wenn Krebs in eure Familie kommt

Du hast eine Diagnose bekommen – und irgendwann steht die Frage im Raum: Wie sage ich es meinen Kindern? Was hören sie, was spüren sie, was mache ich mit meiner eigenen Angst, während ich rede? Wo dürfen sie ihre Angst artikulieren?


Ich habe im Oktober Raum für vier Gespräche. Einzeln, eine Stunde, kostenfrei und ohne Mitgliedschaft. Wir schauen, was dein Nervensystem gerade braucht, damit du dieses Gespräch aus Ruhe führen kannst statt aus Alarm. Und wie du deinem Kind Raum gibst, seine eigene Angst zu zeigen.

Danach ist das Gespräch zu Ende. Es steht kein Programm dahinter und nichts, das du buchen musst. Wenn du danach gern weiter mit mir arbeiten möchtest, freue ich mich – aber darum geht es hier nicht.

Ich bin keine Ärztin und keine Psychoonkologin. Was ich mitbringe, ist Nervensystemarbeit und ein Raum, in dem du nichts erklären musst.


→ Schreib mir einfach: anja@japaul.de

Auch Heldinnen dürfen Angst haben.

Und atmen. Und langsam sein.


Quellen & Links

1. Integrative Onkologie bei Angst und DepressionCarlson, L. E. et al. (2023). Integrative Oncology Care of Symptoms of Anxiety and Depression in Adults With Cancer: SIO–ASCO Guideline. Journal of Clinical Oncology 41(28), 4562–4591. DOI: 10.1200/JCO.23.00857

2. Komplementärmedizin in DeutschlandLeitlinienprogramm Onkologie: S3-Leitlinie Komplementärmedizin in der Behandlung von onkologischen PatientInnen.

3. Krebsgesellschaft Rheinland-Pfalz e. V.Beratungszentrum Koblenz, Löhrstr. 119, 56068 Koblenz. Beratung für Betroffene und Angehörige, Familienprojekt „Mama/Papa hat Krebs“.

4. „Koblenz wird pink“Netzwerk für Menschen mit Brustkrebs und ihre Angehörigen.

5. Pink Power Kowelenz – Paddeln gegen Brustkrebs

6. Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ)Kostenfrei unter 0800 420 30 40, täglich 8–20 Uhr. Bundesweites Verzeichnis psychosozialer Krebsberatungsstellen.

7. INFONETZ KREBS, Deutsche KrebshilfeKostenfrei unter 0800 80 70 88 77, Mo–Fr 8–17 Uhr. Vermittelt Beratungsstellen in Wohnortnähe.


Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung und keine onkologische Behandlung.

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