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Nervensystem & Stressregulation –Wenn Fürsorge zur Erschöpfung wird

11. Juni
5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 11. Aug.

Nervensystem Stressregulation für Frauen - People Pleasing und Selbstfürsorge

Ein Beitrag von Birte Dorenkamp


Viele Frauen sind nicht gestresst, weil sie zu wenig Zeit haben.

Sie sind gestresst, weil ihr Nervensystem gelernt hat, dass sie funktionieren, gefallen und die Bedürfnisse anderer über ihre eigenen stellen müssen.


Stressmanagement beginnt deshalb nicht beim perfekten Zeitplan. Sondern bei der Frage: Aus welcher Haltung heraus handle ich eigentlich? Aus Angst – oder aus Verbundenheit mit mir selbst?


Birte Doremkamp gibt in diesem Artikel Einblicke in Wege der Regulation des Nervensystems und bietet gleich zwei Live Sessions im Juli dazu an.



Der Sommer steht vor der Tür. Die Vorfreude auf Urlaub, gemeinsame Zeit und lange Abende wächst. Gleichzeitig kennen viele Frauen aber auch genau das Gegenteil: Die letzten Dinge müssen noch erledigt werden. An die Geschenke für die Erzieherinnen denken. Den Urlaub organisieren. Die Kinder beschäftigen.

Die Schwiegereltern einplanen. An Geburtstage denken. Und dabei möglichst entspannt aussehen.


Kein Wunder, dass viele Frauen erschöpft in den Urlaub starten – und manchmal sogar gestresster zurückkommen, als sie losgefahren sind.


Doch was wäre, wenn Stress nicht nur etwas mit zu vielen Aufgaben zu tun hätte?

Was wäre, wenn unser Stress oft viel tiefer beginnt? Nämlich dort, wo wir gelernt haben, immer für andere da zu sein. Zu gefallen. Zu helfen. Verlässlich zu sein. Und dabei die eigenen Bedürfnisse hintenanzustellen.


Viele von uns haben früh gelernt: Sei lieb. Sei unkompliziert. Enttäusche niemanden. Mach es allen recht.

Nicht bewusst. Sondern ganz subtil.

Wir haben erfahren, dass wir geliebt werden, wenn wir helfen. Dass Zugehörigkeit entsteht, wenn wir funktionieren. Dass wir "gut" sind, wenn wir die Bedürfnisse anderer im Blick haben.

Und irgendwann wird daraus ein Automatismus. Ein Muster. Ein innerer Antreiber.


Genau darüber musste ich neulich nachdenken, als ich in meinem Dankbarkeitstagebuch auf ein Zitat von Thich Nhat Hanh stieß:

„Alles, was wir für uns selbst tun, tun wir auch für andere, und alles, was wir für andere tun, tun wir auch für uns selbst.“

Ich muss zugeben: Ich fühlte mich zunächst getriggert.

Denn vieles von dem, was ich in den letzten Jahren mühsam gelernt hatte, zielte darauf ab, endlich mehr auf mich selbst zu hören. Mich an erste Stelle zu setzen. Eigene Bedürfnisse ernst zu nehmen.

Und jetzt kommt da ein Zen-Meister und sagt, dass alles, was ich für andere tue, auch für mich tue?

Mein erster Impuls war, den Satz direkt umzuschreiben:

"…und NICHT alles, was wir für andere tun, tun wir auch für uns selbst."


Doch dann kam dieser kleine Gedanke: Vielleicht steckt darin doch etwas Wahres.

Denn dort steht mit keinem Wort, dass wir immer und jederzeit für andere da sein müssen.

Diese Geschichte erzählte mir lediglich mein eigenes Denken.

Mein Gehirn ergänzte automatisch:

"Sobald jemand ein Bedürfnis hat, musst du es erfüllen. Nur dann bist du gut."


Und genau hier wurde es spannend.

Denn unser Gehirn verarbeitet neue Informationen nicht neutral. Es greift auf bereits bestehende Erfahrungen zurück. Wenn du lange gelernt hast: Sei lieb.Sei hilfreich.Sei verfügbar.Enttäusche niemanden.

Dann interpretierst du viele Situationen genau durch diesen Filter.


Neuropsychologisch betrachtet ist das vollkommen logisch.

Unser Gehirn liebt bekannte Wege. Es spart Energie, indem es auf bereits bestehende Muster zurückgreift – wie ein Auto, das lieber die Autobahn nimmt als einen neuen, unbefestigten Weg.

Die entscheidende Frage lautet deshalb:


Was liegt meinem Handeln eigentlich zugrunde?

Handle ich aus Mitgefühl? Oder handle ich aus Angst?

Mitgefühl bedeutet: Ich nehme den anderen wahr. Ich nehme mich selbst wahr. Und ich entscheide bewusst.

Handle ich hingegen aus Angst, sieht das oft ganz anders aus. Dann treibt mich die Sorge an, nicht genug zu sein. Die Angst vor Ablehnung. Vor Konflikten. Vor Schuldgefühlen.

Ich nehme hauptsächlich die Bedürfnisse der anderen wahr – während meine eigenen immer leiser werden.


Nach außen betrachtet mag beides ähnlich aussehen. Innerlich macht es jedoch einen riesigen Unterschied.


Wenn wir aus Mitgefühl und Selbstbestimmung heraus handeln, befindet sich unser Nervensystem in einem regulierten Zustand.
Wir fühlen Verbindung. Sicherheit. Zugehörigkeit. Unser Körper schüttet Bindungshormone aus. Wir erleben das, was wir tun, als stimmig und erfüllend.

Wenn wir hingegen dauerhaft aus Angst heraus handeln, bleibt unser Nervensystem in Alarmbereitschaft.

Es ist aktiv. Wachsam. Auf Gefahr eingestellt. Und wenn dieser Zustand über längere Zeit anhält, fühlen wir uns irgendwann erschöpft, leer und überfordert.


Dann denken wir plötzlich:

"Ich mache doch schon so viel für alle." "Warum sieht das niemand?" "Warum kümmert sich eigentlich niemand um mich?"

Und häufig versuchen wir genau dann, noch mehr zu leisten.Noch mehr zu geben.Noch mehr zu funktionieren.


Anstatt einen Schritt zurückzutreten und uns zu fragen:


Was brauche ich eigentlich?

Was würde mir gerade guttun?


Als ich das Zitat von Thich Nhat Hanh ein weiteres Mal las, verstand ich plötzlich etwas ganz anderes.

Vielleicht meinte er gar nicht die Selbstaufopferung. Vielleicht sprach er von Mitgefühl.

Von einer Haltung, die sowohl den anderen als auch uns selbst im Blick behält.

Eine Haltung, aus der wir – basierend auf unseren eigenen Ressourcen – bewusst entscheiden:

Ob. Wann. Und wie viel wir geben möchten.

Das ist keine Egozentrik.

Es ist echte Selbstfürsorge.

Und echte Selbstverantwortung.


Denn genau dann wird das, was wir für andere tun, uns nicht erschöpfen.

Sondern erfüllen. Vielleicht dürfen wir deshalb unsere Trigger künftig als Einladung verstehen.

Als Hinweis auf alte Muster. Auf Geschichten, die wir über uns selbst erzählen.

Denn wir sind nicht unsere Gedanken. Wir dürfen entscheiden, aus welcher Haltung heraus wir handeln möchten. Aus Angst. Oder aus Mitgefühl. Aus Anpassung. Oder aus Selbstverbundenheit.

Und vielleicht beginnt genau dort echte Stressreduktion.

Nicht darin, alles perfekt zu organisieren. Sondern darin, immer wieder zu uns selbst zurückzufinden.


Deine Einladung im Juli: Vom Funktionieren zurück in die Verbindung


Wenn du dich in diesen Zeilen wiedererkennst, bist du nicht allein.

Gerade Frauen tragen oft eine Vielzahl unsichtbarer Aufgaben und Verantwortlichkeiten. Sie organisieren, kümmern sich, halten zusammen – und verlieren dabei manchmal den Kontakt zu den eigenen Bedürfnissen.

Deshalb begleiten wir dich im Juli mit zwei Live-Formaten, die dir helfen, dein Nervensystem besser zu verstehen und neue Wege im Umgang mit Stress zu finden.


Wir haben 2 Lives for free dazu für dich im Juli:

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