Kann ich bitte kurz nicht funktionieren müssen? – Was Selbstfürsorge mit Leichtigkeit zu tun hat
Aktualisiert: 11. Aug.

Du weißt eigentlich genau, was dir guttun würde – und trotzdem fehlt oft die Kraft, es umzusetzen?
Warum Selbstfürsorge für viele Frauen heute nicht an mangelndem Wissen, sondern an einem dauerhaft überlasteten Nervensystem scheitert und weshalb wir aufhören sollten, Ruhe als Belohnung zu betrachten, erfährst du in diesem Artikel.
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Ein Beitrag von Julia Bauer
Selbstfürsorge klingt erst einmal gar nicht so kompliziert. Auch ein bisschen nach Larifari-Modewort, nach Schaumbad bei Kerzenlicht, lackierten Fußnägeln und Gesichtsmaske. Irgendwie oberflächlich. Selfcare ist zum Buzzword geworden, das groß auf jeder zweiten Frauenzeitschrift steht. Zusammen mit dem schönen Wort „Me-time“ geht es mir gehörig auf den Zeiger. Wir Frauen von heute wissen meistens ziemlich genau, was uns guttun würde. Dank Podcasts, den sozialen Medien und allgegenwärtigen Health Coaches sind wir aufgeklärter denn je über unser Nervensystem, Rezilienz und die Funktionen unseres Körpers. Mehr schlafen. Regelmäßiger essen. Pausen machen. Nicht ständig erreichbar sein. Mehr trinken. Uns bewegen. Weniger streng mit uns sein. Früher ins Bett gehen. Nicht immer alles alleine tragen. Verantwortung abgeben, kein Kontroletti sein.
Und trotzdem schaffen wir es oft nicht.
Stattdessen essen wir irgendwann irgendetwas zwischen zwei Terminen. Scrollen am Abend völlig erledigt durchs Handy, obwohl wir längst müde sind. Funktionieren weiter, obwohl der Körper schon seit Tagen leiser werden möchte. Verschieben Ruhe auf später. Auf das Wochenende. Den Urlaub. Den Zeitpunkt, an dem endlich alles erledigt ist.
Ist dir schon mal aufgefallen: Dieser Zeitpunkt kommt nie. Schon drängeln die neue Deadline, Ferienorga, der müffelnde Wäscheberg, das Geburtstagsgeschenk für die Schulfreundin oder der Zahnarzttermin. Das krasse ist ja: Wir Frauen haben heute nicht zu wenig Wissen über Selbstfürsorge, wir haben schlichtweg zu wenig Kapazität dafür. Vielleicht ist genau das etwas, worüber wir viel ehrlicher sprechen müssen.
Selbstfürsorge wird oft wie eine Entscheidung dargestellt. Als Frage von Disziplin. Als etwas, das man einfach „mehr priorisieren“ müsste. Und soll ich dir etwas sagen? Aus meiner Sicht stimmt das zu einem Teil auch. Wir wollen das nicht gerne hören, aber es hat auf jeden Fall etwas mit Disziplin zu tun, sich den Yogakurs, die Stunde Leseauszeit oder das Treffen mit der liebsten Freundin fest in den (Familien-)kalender einzutragen und es dann auch durchzuziehen. Komme was wolle.
Aber so fühlt es sich für die meisten von uns nicht an. Nicht, weil es uns egal ist. Wir sind einfach so müde! Weil wir funktionieren müssen. Weil andere Menschen etwas von uns brauchen (oder wollen). Weil der Alltag so verdammt laut ist. Weil unser Nervensystem schon so lange im Dauerstress lebt. Weil selbst kleine Dinge plötzlich Kraft kosten.
Und vielleicht auch, weil viele von uns nie wirklich gelernt haben, sich selbst zu versorgen. Zumindest nicht emotional. Wir Menschen – und vor allem Frauen – haben in unserer Gesellschaft früh verinnerlicht, immer zu funktionieren und möglichst nicht anzuecken, dafür zu sorgen, dass alles reibungslos läuft. Ein leiser Schauer läuft mir über den Rücken, denke ich daran, dass ich bis vor nicht allzu langer Zeit geglaubt habe, es sei eine Art „Auszeichnung“, als unkompliziert zu gelten.
Selbstfürsorge ist keine Belohnung
Für andere da zu sein und unsere Bedürfnisse zurückzustellen haben wir quasi als Werkseinstellung mitbekommen. Nicht zu viel Raum einzunehmen und bloß nicht egoistisch sein. Erst alles schaffen — und sich dann irgendwann ausruhen. Ich kenne das nur zu gut: Diese rasende Unruhe in mir, wenn zu viele Fäden lose sind und das Sehnen danach, endlich einen Haken an alle meine Aufgaben machen zu können. Das Nervensystem unter Dauerfeuer. Die meisten von uns haben dieses Muster direkt vor der eigenen Nase im Elternhaus vorgelebt bekommen.
Aber Selbstfürsorge funktioniert nicht gut als Belohnungssystem. Wenn Ruhe erst erlaubt ist, nachdem alles erledigt ist, wird sie unmöglich. Irgendetwas bleibt immer offen. Irgendetwas könnte man noch besser machen. Oder effizienter, gesünder, noch optimierter. Such dir was aus.
Selbstfürsorge als Leistung
Vielleicht ist auch das eines der Probleme unserer Zeit: Selbstfürsorge wurde still und heimlich selbst zu einer Leistung. Plötzlich soll auch Entspannung produktiv sein. Der Spaziergang wird zur Schrittzahl. Die Morgenmeditation zur Selbstoptimierung. Beziehungspflege zum Anspruch. Kochen zum perfekten Gesundheitskonzept. Schlaf zur Effizienzstrategie. Sogar Ruhe bekommt inzwischen das Gefühl, etwas leisten zu müssen. Und vielleicht spüren viele Frauen auch deshalb eine so tiefe Erschöpfung: Weil selbst die Dinge, die eigentlich entlasten sollten, sich oft wie weitere Aufgaben anfühlen.
Und dabei suchen wir doch eigentlich nach etwas ganz anderem: nach einem Gefühl von Leichtigkeit in unserem Leben. Nach diesem Sommerferiengefühl der Kindheit, das sich einstellt, wenn wir mit wehenden Haaren auf dem Fahrrad einen Hügel runtersausen. Diesen Spaghettieis-Momenten. Stattdessen fühlt sich unser Leben so oft nach Schwitzkasten an, eingezwängt zwischen Alltagspflichten, endlosen To-do-Listen, Entscheidungen und Aufgaben.
Ich glaube wirklich, keine von uns sucht das perfekte Leben. Sondern eher nach Momenten, in denen nicht alles schwer ist. Nicht alles gleichzeitig organisiert, beantwortet, getragen und gehalten werden muss. Leichtigkeit ist deshalb auch viel weniger oberflächlich, als sie oft klingt. Und sie bedeutet überhaupt nicht, ständig glücklich oder entspannt zu sein. Vielmehr bedeutet sie, für einen Moment weniger gegen sich selbst arbeiten zu müssen. Das natürliche Pendeln zwischen Anspannung und Entspannung, der gesunde Wechsel zwischen „An“ und „Aus“.
Und vor allem bedeutet sie, die Verbindung zum eigenen Inneren zu pflegen und liebevoll mit sich selbst umzugehen. Um immer wieder zurückkehren zu können zu einem Ort der in uns liegt, an dem nichts verlangt wird, an dem wir nicht repariert werden müssen und an dem wir uns sicher fühlen können. Ich stelle mir immer wieder die Frage, was Leichtigkeit eigentlich genau bedeutet für mich. Und dann versuche ich das, in winzigen Schritten in mein Leben zu integrieren. Ich habe mir die Frage angewöhnt -- und ja, auch erlaubt! -- "Wie darf ich es mir heute leicht machen?" Das kann alles Mögliche sein: Eine Portion Tomatensoße aus dem Glas statt zu kochen, jeden Morgen dasselbe Frühstück, um Entscheidungen zu reduzieren, Aufgaben abgeben, To-dos einfach mal liegen lassen ...
Die folgende kleine Visualisierungsreise ist mein Geschenk für dich. Du kannst du jederzeit machen – in der Bahn, auf dem Sofa, ja sogar im Büro. Wohltuend ist sie auch an Tagen, an denen du schlecht geschlafen hast und schon am Morgen einen Druck auf der Brust spürst. Du brauchst für diese Reise kein Ticket und nerviges Kofferpacken entfällt. Wenn das Leben dich herausfordert, du dich überlastet fühlst, irgendwie entfremdet von dir, lässt sie dich wieder atmen, mehr Leichtigkeit und Weite fühlen und einfach SEIN.
Was bedeutet Visualisierung? Darunter versteht man eine Form der Meditation, in der man innere Bilder nutzt, die dabei helfen, leichter bestimmte Zustände oder Gefühle zu erzeugen. Denn unser Gehirn hat eine ganz besondere Eigenschaft: Es kann nicht unterscheiden, ob diese Bilder gerade real sind, in der Vergangenheit liegen oder eben nur in unserer Phantasie existieren. Das macht die Visualisierung so kraftvoll und wirkt besonders beruhigend, stärkend und klärend. Die Bilder helfen unserem Nervensystem, in die Entspannung zu kommen, die dann auch körperlich spürbar ist.
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Und vielleicht reicht das für den Anfang auch schon. Dass du jeden Tag in all dem lauten Alltag einmal zurück zu dir findest. Denn Selbstfürsorge muss nicht perfekt sein. Sie muss auch nichts mit fancy Tools oder teuren Kursen zu tun haben. Für jede von uns sieht sie anders aus.
Für mich beginnt sie mit dem leisen Gefühl, dass wir uns selbst tragen dürfen.
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Es gibt Phasen im Leben, in denen wir spüren: So wie bisher passt es nicht mehr ganz. Gerade in der Perimenopause erleben viele Frauen, dass sich Bedürfnisse verändern, Vertrautes ins Wanken gerät und der Kontakt zu sich selbst leiser geworden ist. Aber auch andere Umbruchphasen können dieses Gefühl auslösen.
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Wer hier schreibt?
Ich bin Julia – Autorin, Lektorin, systemische Mental-Health-Coachin und Meditationslehrerin. Mit meiner Familie lebe ich in Berlin.
Seit vielen Jahren begleite ich Menschen dabei, den roten Faden zu finden – zunächst in Büchern, heute auch in Lebensphasen. Ich unterstütze Frauen in Zeiten des Umbruchs dabei, innezuhalten, Gedanken zu sortieren und wieder mehr in Verbindung mit sich selbst zu kommen. Besonders dann, wenn sich das Leben nicht mehr ganz nach ihnen anfühlt. In meiner Arbeit verbinde ich Reflexion, Schreiben, Achtsamkeit und alltagstaugliche Impulse zu einem Raum, in dem Orientierung wachsen darf – mit Klarheit, Mitgefühl und dem Vertrauen, dass die Antworten oft schon da sind.
Mehr zu meiner Arbeit unter www.julia-bauer.berlin oder auf Insta unter @julia.bauer.berlin
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